Imkerei Christoph Schürholz, Hünsborn


über die Bienen und die Imkerei ...

 

Die Honigbiene ...


Eine Arbeiterin beim Sammeln von Nektar und Pollen

...sie zählt zu den ältesten Nutztieren des Menschen und ist nach dem Rind und dem Schwein das Drittwichtigste unter ihnen.
Bereits vor siebentausend Jahren hielt man in Zentralanatolien (Türkei), Bienen zur Honiggewinnung. In Europa stellten die Germanen (Bekannt von den Wickingern) aus Wasser und Honig Met her. Met war ein sehr beliebter Honigwein, aber auch das Bienenwachs wurde damals schon für Kerzen, Fackeln und Siegel genutzt.

Die Königin und der Schwarm ...


Die Königin mit Ihrem Hofstaat

Neue Königinnen entstehen aus befruchteten Eiern einer anderen Königin, in dem die jüngsten Laven mit einem besonderen Futter versorgt werden. Die Bienen haben dafür eine spezielle Drüse und geben den Larven statt nur Pollen und Nektar den Gelee Royal. Nach 16 Tagen schlüpft dann eine neue Königin.
Oft geschieht dies im Beisein und Wirken der bisherigen Königin, wenn diese zu alt geworden ist und die Legeleistung nachläst. Dadurch sehen die Arbeiterinnen ihren Fortbestand in Gefahr und ziehen sich eine neue, junge Königin heran.
Kurz vor dem Schlupf der neuen Königin, zieht die hälfte der Arbeiterinnen und Drohnen mit der alten Königin aus dem stock aus und lässt sich meist zuerst in der Nähe der alten Bienebeute an Sträucher, Bäumen oder Zäunen als "Schwarm" nieder.



Von dort aus suchen die "Späh-Bienen" ein neues Zuhause, was meist nicht gelingt, da es die natürlichen Behausungen, wie hohle Bäume oder ähnliches nicht mehr gibt. Daher gelangen Bienen auch oft in Schornsteine oder andere Nischen, Gärten und unter Dächer direkt in unseren Wohngegenden, wo sie verständlicherweise unerwünscht sind.
Meist ziehen die Schwärme nach 1 bis 2 Tagen weiter, da sie nur Honig im Honigmagen für die eigene Energie für etwa 3 bis 5 Tage dabei haben. Danach würde der Schwarm absterben, wenn er keine neue Behausung findet oder ihn ein Imker versucht einzufangen, was oft nicht möglich ist.


Ein Bienenschwarm hat sich in einem Baum niedergelassen

Der gewissenhafte Imker ist daher bestrebt die Schwarmneigung durch Zucht, rechtzeitigen Austausch von Königinnen und andere artgerechte Maßnahmen, durch wöchentliche Kontrolle im Frühjahr und Sommer, was die Königinnenzellen und Schwarmaktivitäten betrifft, zu verhindern.
Trotzdem wäre der Schwarm, der übrigens sehr spektakulär ist und auch interessant anzusehen ist, die einzige natürliche und mögliche Art der Bienen sich zu vermehren.

Drei Bienenwesen  ...  ein Staat

In jedem Bienenstaat (Bienenvolk) gibt es nur eine Königin. Diese ist deutlich größer als die anderen bis zu 70.000 Arbeiterinnen (im Hochsommer). Die Königin hat als einzige ausgebildete und befruchtete Geschlechtsorgane und kann somit auch befruchtete Eier legen, aus denen Arbeiterbienen entstehen.   ....

 

 

Die männlichen Bienen heißen Drohnen und stammen von unbefruchteten Eiern. Drohnen haben demnach keinen Vater, sondern nur die Königin als Mutter. Drohnen besitzen auch keinen Stachel und kein Saugorgan. Sie müssen von den Arbeiterinnen gefüttert werden und dienen nur der Begattung anderer Jungköniginnen. Nachdem eine Königin von 10-20 Drohnen begattet wurde, reicht der Spermavorrat der Königin für ein ganzes Leben von bis zu 5 Jahren. Die zum Zuge gekommenen Drohnen sterben nach dem Begattungsakt. Im Spätsommer werfen die Arbeiterbienen die verbliebenen Drohnen aus dem Stock, da diese für die anstehende Winterperiode für sie unnütze geworden sind.

 

Die Varroa-Milbe und das Bienensterben ...


Die Varroamilbe lässt sich als Parasit auf Bienen nieder und schädigt die Brut.

Ohne Imker wäre der Schwarm, wenn er überlebt, der ein neues Bienenvolk gründen würde, nach 1 bis 2 Jahren aber verloren, da ihn die Varroamilbe (ein Parasit, welches Brut und Bienen schädigt), die in den 70´er-Jahren aus Asien nach Europa eingeschleppt wurde, töten würde.
Darin liegt auch der Hauptgrund des Bienensterbens auf der ganzen Welt begründet. Imker haben damals durch Import von Bienenvölkern aus Asien die Varoamilbe nach Europa ohne Wissen der Gefahren eingeführt. Die Bienen-Rassen in Asien konnten mit diesem Parasit umgehen, weil sie es über Jahrhunderte gelernt haben. Die Europäischen Bienen kannten diese Spinntier nicht und sind seit dem auf den Imker angewiesen, dass er sie gegen die "Varrose" behandelt.
Die Bienenvölker beim Imker können allerdings dank neuester Forschung in der Bienenkunde mit dem erforderlichem Fachwissen des Imkers mittlerweile sehr gut im Spätsommer und Dezember gegen diese Milbe behandelt werden; ganz eliminieren kann man die Varroamilbe aber nicht mehr.
Man kann allerdings sagen, dass das Bienensterben bei Anwendung der Konzepte gegen die Varroa-Milbe, die wissenschaftlich abgesichert sind, aufgehalten oder wenigstens abgeschwächt werden könnte, sollten diese von allen Imkern beherzigt werden.

Bienensterben aus anderen Gründen ?!

Das Problem mit dem Bienensterben ist seit der Einschleppung der Varroamilbe immer größer geworden. Dennoch spricht man beim "Bienensterben" in der breiten Öffentlichkeit heutzutage fast nur noch von der Landwirtschaft als Ursache des Rückgangs an Bienenvölkern.



Sicherlich gab es immer wieder Vorfälle bei Neonicotinoiden (ein Pestizid), die in der Saatgutbeizung angewandt werden. Hierbei handelte es sich um fehlerhaft gebeiztes Saatgut und um Einzelfälle bei denen übrigens zwar über 10.000 Völker geschädigt wurden, aber keines davon verstarb.
Auch die bekannt gewordenen "Völkersterben" durch Pestizideinsatz in der Landwirtschaft sind durch fehlerhafte Anwendung der Landwirte entstanden und bleiben "Gott sei Dank" Einzelfälle.

Klar ist doch auch, dass ohne den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln die Ernährung auch in Deutschland nie so komfortabel, qualitativ gut und auch noch günstig gewährleistet wäre.
Kein Bienenvolk muss bei sachgemäßer Handhabung der zugelassenen Pflanzenschutzmittel inklusive der Insektenschutzmittel um seinen Fortbestand fürchten, sofern wir gewissenhaft mit den Vorschriften für diese Chemikalien umgehen, die nicht nur dem Menschen und seiner Nahrungsgrundlage, sondern auch den Bienen und anderen Nützlingen zu gute kommen.
Es fängt hier übrigens beim Gewissenhaften und Vorschriftsgemäßen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, im eigenen Garten an hört in der Landwirtschaft und Industrie nicht auf.... !

Man sollte daher sachlich und nicht emotional agieren, so wie manche Naturschutzverbände und Partei(en) in "unserem Saat" an das Problem des Bienensterbens herangehen.

Imkerei ist Naturschutz, Landwirtschaft, Forsten und Jagt auch. Der Verbraucher hat einen sehr großen Einfluss, in dem er Qualität statt Quantität einkauft.


Christoph Schürholz

Imker und Landwirt

 

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Informationen zu Bienen Allgemein
 



 

 

Bild links: die Drei Bienenwesen leben in einem Volk:

links: Drohn (männliche Biene) - mehrere Hundert in einem Volk
Mitte: Königin - immer nur eine Königin pro Volk
Rechts: Arbeiterin (weibliche Biene) - bis zu 60.000 pro Volk im Sommer / im Winter 10.000 bis 15.000 Arbeiterinnen

 

 
Lebensdauer Königin ca. 4-5 Jahre
Arbeitsbiene ca. 50-60 Tage
Drohn einige Wochen bis Monate
Körpergewicht Königin ca. 250 mg
Arbeitsbiene ca. 90 mg
Drohn ca. 180 mg
Fluggeschwindigkeit 26 - 30 km / h bei ca. 180 - 250 Doppelflügelschläge pro Sekunde
Nahrung 100 mg Zucker pro Flugstunde
Transportleistung bis zu 60 mg Nektar pro Sammelflug, das entspricht 75 % des Körpergewichtes
oder bis zu 4 Mio. Pollenkörner pro Sammelflug
Sammelleistung ca. 1 Mio. Blütenbesuche für 100 g Honig
und bis zu 50 kg Honig pro Sommer und Volk
Wachsproduktion für 1 kg Wachs sind rund 1.250.000 Wachsplättchen notwendig,
wobei eine Biene 8 Wachsdrüsen hat
Legeleistung der Königin durchschnittlich 1 Ei pro Minute, das sind rund 1200 pro Tag
(Das entspricht etwa ihrem eigenen Körpergewicht)
Verdunstungsleistung der Arbeitsbiene bis zu 15.000 Flügelschwingungen pro Minute, das entspricht
etwa 250 Hertz

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Aufbau der Biene                          
                             

           

              Vom Nektar zum Honig

 

Vom Frühjahr bis zum Herbst sind die Honigbienen mit etwa 20 Stunden-Kilometern unterwegs, um Pollen und Nektar zu sammeln.

Auf der Blüte saugen sie mit ihrem langen Rüssel den süßen Nektar in ihren Honigmagen, der nach etwa 200 Blüten komplett gefüllt ist. Zugleich lösen sie dabei mit ihrem Körper Blütenpollen aus den Staubgefäßen der Blume, bepudern sich damit und schieben ihn in die Pollenkörbchen ihrer Hinterbeine.

Beim Besuch der nächsten Blüte wird diese bestäubt, wenn der Pollen auf die Narbe gelangt. Dies schafft eine Biene bis zu 1000 Mal pro Tag. Zwischendurch fliegt sie immer wieder zurück zum Bienenstock, um Pollen und Nektar abzuliefern.  

Im Stock geben sich die Arbeiterinnen den Nektar „von Rüssel zu Rüssel“ weiter. Dabei wandeln sie ihn jedes Mal etwas um, bis er zu Honig wird. Der Nektar hat zunächst nur wenig Zucker. Bei der Futterübergabe setzen die Bienen ihm Drüsensekrete mit Eiweißverbindungen und keimtötenden Inhaltsstoffen zu. Den halbreifen Honig lassen sie in unverdeckelten Zellen trocknen, damit er haltbar wird. Nachdem ein Teil des Wassers verdunstet ist, wird der fast fertige Honig in Lagerzellen gebracht. Fächelnde Bienen sorgen dafür, dass weiteres Wasser verdunstet. Erst wenn der eingedickte Honig weniger als ein Fünftel Wasser enthält, werden die Zellen mit einem dünnen, wasserdichten Wachsdeckel verschlossen.


Honigbienen  haben einen langen Rüssel, mit dem sie den Nektar in ihren Honigmagen saugen.



Im Bienenstock geben sich die Arbeiterinnen den Nektar „von Rüssel-zu-Rüssel“ weiter. Dabei wandeln sie ihn jedes Mal etwas um, bis er zu Honig wird.





Bienen sind die wichtigste Tierart für die Bestäubung von über 2.000 bis 3.000 Wild- und Nutzpflanzen. Sie tragen den Pollen von Blüte zu Blüte und bleiben dabei während ihrer Ausflüge immer einer Blütenart treu.

 
             
    
 


Für 500 g Honig müssen die Sammelbienen
eines Volkes ungefähr 120.000 km fliegen.
Das ist umgerechnet dreimal um die Erde.
 


 

   

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Die Honigbiene gehört zu den Hautflüglern und hat sechs Beine. Das Außenskelett besteht aus einem hornhaltigen Stoff (Chitin).

Der Insektenkörper besteht aus drei anatomischen Abschnitten:                

  1. dem Kopf mit den Mundwerkzeugen und Sinnesorganen wie den Augen  und den Fühlern (Antennen).

  2. der Thorax (Brust), einem Bewegungszentrum, das die häutigen Flügel und die gegliederten Beine bewegt.

  3. dem Abdomen (Hinterleib), der größer ist als die anderen Teile und die Organe enthält, unter anderem für Verdauung, Blutkreislauf und Stechen.


 

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Wo sich ergiebige Futter-
quellen für das Bienenvolk befinden, teilen die Bienen Ihren Kolleginnen im Bienenstock über den sogenannten Schwänzeltanz, eine Tanzsprache mit. Im gesamten Tierreich ist dies einmalig. Dieser Tanz zeigt den Flugbienen, wo, in welcher Entfernung und in welcher Himmelsrichtung die Nektar- oder Honigtauquelle liegt.
Bereits 1973 wurde dem Münchener gelehrten Karl von Frisch für diese Entdeckung gemeinsam mit Konrad Lorenz und Nikolaas Tinbergen dafür der Nobelpreis verliehen.




Der Schwänzeltanz der Biene





 

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Der Lebenslauf der Honigbiene und Ihre Karriere


Wussten Sie ...
 
  • dass unsere Nutzpflanzen zu 80 % von Honigbienen bestäubt werden?
  • dass 10 Bienen 1 Gramm wiegen und 20.000 – 60.000 in einem Volk sind?
  • dass 1 Biene in 2 Minuten 1 km fliegt?
  • dass eine Biene noch aus 5 km Entfernung nach Hause findet?
  • dass eine Biene in ihrem Leben 800 km zurück legt?
  • dass 1 kg Honig die Lebensarbeitszeit von 350 – 400 Bienen darstellt?
  • dass eine Biene für einen Teelöffel Honig die Entfernung München – Moskau zurücklegen und dabei über eine Million Zwischenlandungen einlegen muss?
  • dass eine Biene für 1 Pfd. Honig bis zu 3,5 mal um die Erde fliegen müsste?
  • dass eine Winterbiene bis zu 9 Monate alt werden kann?
  • dass die Sommerbiene sich in 4 – 6 Wochen zu Tode gearbeitet hat?
  • dass eine Bienenkönigin 4 Jahre alt werden kann?
  • dass eine Bienenkönigin im Mai/Juni bis zu 3.000 Eier je Tag legen kann?
  • dass ca. 1.500 Eier eben soviel wiegen wie das Eigengewicht einer Bienenkönigin?